Zugegeben, die ersten Erfahrungen mit dem analogen Mittelformat habe ich nicht nicht der Mamiya gemacht, sondern mit der Kiev 88, einem sowjetischen Hasselblad Nachbau. Auch wenn man viel schlechtes über die Kiev und “russischer Ingenieurskunst” hört, gute “Hasselbladskis” funktionieren einwandfrei (und ja, meine ist gut
). Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden…
Die Mamiya RB67 Professional-S ist eine japanische analoge 6x7cm Mittelformatkamera. Gefüttert wird sie mit normalem 120er Rollfilm (je nach Filmmagazin auch 220er), der in jedem Fotoladen erhätlich ist/sein sollte. Was noch erwähnt werden sollte: Diese Kameras sind komplett modular, man kann vom Sucher über die Mattscheibe bis hin zum Magazin alles austauscht und anpassen.
Schwere Artillerie trifft es wirklich ganz gut: Mehr als 2,5 Kilogramm bringt das Teil auf die Waage. Freihand gestaltet sich die ganze Geschichte ebenfalls als eher schwierig, nicht zuletzt wegen der fokussierung über die Rädchen an den Seiten. Das Teil ist nicht nur schwer, sondern auch groß. Es ist riesig. Besonders im Nahbereich, wenn der auch noch der Balgen ausfährt. Wenn man das Prachtstück in die Hand nimmt, weiß man, dass sie eigentlich für den professionellen Studioeinsatz konstruiert wurde, aber natürlich ist sie genausogut für draußen geeignet.
Ein Stativ ist bei der Kamera also Pflicht, nicht zuletzt auch deswegen, da man schon manchmal weit abblenden muss, um eine große Tiefenschärfe zu bekommen, dadurch verlängert sich natürlich die Zeit. Das Fotografieren mit dieser art von Kameras ist wirklich komplett anders. Man denkt fünfmal nach, ob es sich wirklich lohnt, den Auslöser wirklich zu zu drücken und schleicht ersteinmal um das Motiv herum, probiert verschiedene Perspektiven und Brennweiten aus. Schließlich kostet jedes Foto Geld, Speicherplatz (nach dem Scannen natürlich), und man will den guten Film nicht verschwenden.
Zum Thema Hochformataufnahmen: Eines der genialsten Sachen, die ich bei analogen Kameras je gesehn habe. Das Magazin lässt sich drehen. Fertig. Hochformat. Die Linien sind auf der Mattscheibe schon eingezeichnet.
Mit der “Mammy” ein Foto aufzunehmen, läuft in etwa so ab:
- Stativ aufbauen, Kamera raufsetzen
- Verschluss spannen
- Film weiterspulen
- Lichtschachtsucher aufklappen, Kamera ausrichten
- Vorfokussieren
- Lupen ausklappen (ja, im Lichtschacht befindet sich tatsächlich eine ausklappbare Lupe
), genauer fokussieren - Belichtung kontrollieren (mache ich mit meiner digitalen Spiegelreflex, die Werte lassen sich in der Regel 1:1 übertragen) und am Objektiv die Blende sowie Verschlusszeit einstellen.
- Tiefenschärfe kontrollieren
- Drahtauslöser ins Objektiv schrauebn und auf Spiegelvorlösung stellen
- Darkslide herausnehmen.
- Auslösen
Und es macht einen heidenspaß!
Mamiya Sekor Objektive sind für ihre optischen Leistungen berühmt (Nicht zu Unrecht, Beweise siehe unten). Ich hab jetzt keinen direkten Vergleich, aber ich denke nicht, dass eine Hasselblad / Carl Zeiss Kombination jetzt so viel besser ist.
Ich besitze ein Sekor-C 90mm f3.8 und ein Sekor-C 180mm f4.5. Bei dem Aufnahmeformat muss man die Brennweiten, da auf Kleinbild bezogen, ungefähr halbieren.
Die Negative scanne ich mit einem Canon CanoScan 9000f und der Scansoftware Silverfast ein. Ein Scan einem Fotos bei 4800 dpi verschlingt knapp 400MB, ein Schwarzweiß Scan fast 200. Die wirklich nutzbare Auflösung liegt bei ca. 65-130(!) Megapixel. Der Scanner ist ein eher Mittelklassegerät, aber ich bin absolut zufrieden mit dem Teil. Mit einem besseren Modell alá Hasselblad Flextight lässt sich sicher noch ein wenig mehr herausholen, aber 20.000€ und das Design haben mich dann doch ein bisschen abgeschreckt.
Sooo… Langer Text, kurzer Sinn: Das Teil ist geil! Es macht einach Spaß!
Und hier nun die ersten Ergebnisse sowie zwei Fotos mit 100% Crop! Die Farbbilder wurden alle mit dem Kodak Portra 160VC, und die SW Bilder mit dem Kodak TMAX 100 aufgenommen. Das Objektiv war das 90er Sekor. Die Farbwiedergabe des Portras finde ich absolut genial, dieser Look… Das Foto vom Wall wirkt leider etwas weich, aber daran ist WordPress schuld!
Ich habe noch mehr Fotos, da aber der Artiekl schon ziemlich lang ist, beschränke ich mich auch eine kleine Auswahl.
Das war übrigens der erste Beitrag in meiner neuen Kategorie, “Fotogeraffel”
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben!
Fabian Kretschmer








